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Saltimbocca ist wohl das am häufigsten genannte Gericht, wenn es
um die Verwendung von Salbei
geht. Dabei gilt in allen Kochbüchern mit italienischem Einschlag
der unveränderbare Grundsatz, dass Saltimbocca aus Kalbfleisch zubereitet
werden muss. Kann man dem noch etwas Neues abgewinnen? Na, versuchen wir
es doch mal:
Saltimbocca heißt nichts anderes als „Spring in den Mund“
– daraus sollte doch die Freiheit der Variation abgeleitet werden
können. Ich bereite Saltimbocca meist aus dünn aufgeschnittenem
Geflügelfleisch zu. Mit etwas Geschick und einem scharfen Messer
lässt sich das Gericht wunderbar aus Hähnchen- oder Putenbrust
zubereiten.
Auf
jedes Fleischscheibchen kommt eine Scheibe luftgetrock-
neter Schinken und darauf ein großes Salbeiblatt. Das ganze Arrangement,
also Fleisch, Schinken und Salbei, wird mit einem Zahnstocher zusammen
gehalten. Eine hübsche Variante sind Involtini, nach Art einer Miniroulade
aufgerollte Fleisch-
scheibchen. Mit Pfeffer
würzen. Salzzugabe erübrigt sich meist, denn der Schinken ist
oft salzig genug.
Gebraten werden die Saltimbocca in Olivenöl und wenig Butter –
zuerst auf der Fleischseite, dann auf der Schinkenseite. Das geht ganz
fix. Die gebratenen Teile bleiben auf einem vorgewärmten Teller warm.
In
die Pfanne kommt zum Ablöschen ein Schuss Marsala, dann wird noch
ein wenig kalte Butter oder nach Wunsch auch etwas Sahne eingerührt
und evtl. nachgewürzt. Das entstandene kleine Sößchen
träufelt man über die Saltimbocca. Noch einfacher ist es, die
gebratenen Saltimbocca nur mit ein wenig Zitronensaft zu servieren.
Saltimbocca sind meiner Auffassung nach ein ziemlich eigenständiges
Gericht, d.h. sie kommen ohne Beilagen aus. Wichtig ist eine schöne
mediterrane Vorspeise. Wer außer Weißbrot noch eine Gemüsebeilage
zu den Saltimbocca reichen will, sollte über gedünstete Möhren
oder über Spinat, mit Gorgonzola, Muskat und Knoblauch
gewürzt, nachdenken.
Machen Sie, was Sie wollen:
Das ist eins dieser Rezepte, bei denen besonders deutlich wird, wie sinnlos
die Angabe definierter Mengen sein kann. Ich habe keine Ahnung, wieviel
Fleisch Sie essen. Ich weiß nicht, was es bei Ihnen sonst noch dazu
gibt. Ich hoffe, dass Sie sehr dünn aufgeschnittenen Schinken gekauft
haben, denn dann kommt man mit sehr wenig Gewicht aus. Die Zutatenliste
ist demgemäß eher qualitativ bestimmt.
Sie brauchen: Fleisch entsprechend Ihrem Appetit und die dazu passende
Menge an luftgetrocknetem Schinken, schöne große Salbeiblätter,
Butter und Olivenöl zum
Braten, etwas Marsala oder Weißwein oder Zitronensaft, nach Wunsch
ein bisschen Sahne, Pfeffer
aus der Mühle
und Salz.
Nicht verhandelbar: die Fleischqualität
Saltimbocca aus Geflügelfleisch zu produzieren hat einige Vorteile.
Die Schnitzelchen bleiben immer saftig und sind sehr zart. Das weiße
Fleisch harmoniert ganz vorzüglich mit dem luftgetrockneten Schinken
und den Salbeiblättern. Und nicht zuletzt: In Zeiten von BSE (so
etwas gibt es immer noch) ist gutes Kalbfleisch rar und teuer.
Nun liest und hört man auch über die „Geflügelproduktion“
Horrormeldungen, die einem zuerst die Sprache und unmittelbar darauf den
Appetit verschlagen. Also lautet die Devise, wie eigentlich überall:
Augen auf beim Einkauf, bewusst auswählen, nachfragen und im Zweifel
lieber etwas weniger Fleisch kaufen, dafür aber gute Qualität
aus artgerechter Haltung. |