Der Stifter und das Olivenöl

Der Mann ist durch gängige Klischees nicht beschreibbar. Ein Unternehmer, dessen Biographie im Kaufmännischen Conrad Bölicke und Gisela von Deylen anlässlich ihrer ersten Olivenöl-Degustation in der Staudengärtnerei Gaissmayer in Illertissenwie im Aufklärerischen wurzelt, ein unsteter Macher im Alltag und ein akademisch geprägter Nachdenker über das schwierige Verhältnis von Individuum und Ökonomie. Sein Unternehmen hat Erfolg und expandiert, aber er will um Himmels willen nicht Chef eines großen Mitarbeiterstabes sein.

Ein Unruhestifter

Conrad Bölicke entzieht sich den üblichen Mustern eines erfolgreichen Unternehmers, und das unverkennbar lustvoll und überzeugend. Überzeugend? Nun ja, nicht jedem gelingt es auf Anhieb, die Vorstellungen von den vermeintlich unverrückbaren Determinanten erfolgreichen Unternehmertums beiseite zu legen und Conrad Bölickes Entwurf einer anderen Ökonomie zu begreifen. Conrad Bölicke lässt nichts unversucht, seine Gesprächspartner zu überzeugen. Weil er auf hinlängliche Erfahrungen, enormes Detailwissen und ein nachgerade beängstigendes rhetorisches Talent zurückgreifen kann, ist für Conrad Bölicke die Verunsicherung das Minimum des Erreichbaren.

Ein Anstifter

Ob Conrad Bölicke mehr Unternehmer oder eher Berater für Unternehmensgründer ist, erschließt sich nicht auf Anhieb. Wenn er behauptet, sein Betrieb sei eine Art Anschauungsobjekt, mit dem sich die Richtigkeit seiner Empfehlungen zeigen lasse, dann kokettiert er vielleicht ein wenig mit seinem Erfolg. Sei’s drum, Erfolg gibt Recht.
So fällt Widerspruch schwer, wenn er andere anstiftet, vom Objekt des Arbeitsmarktes zum Subjekt der Arbeit zu werden. Unverdrossen predigt Conrad Bölicke den Wechsel in die Selbstständigkeit, schließlich hat er allen gezeigt, wie es gehen kann. Marktnischen, dessen ist er sich sicher, gibt es genug – man muss sich nur auf die Suche machen. Es muss ja nicht gleich der große Wurf sein, nur so viel, dass Eigenverantwortung den Lebensunterhalt sichert. So hat er konsequent sein eigenes Unternehmen auf ein fast schon groteskes Minimum von zwei Personen reduziert. Alle anderen Mitwirkenden arbeiten als selbstständige Kleinunternehmen mit ihm zusammen. Das funktioniert.

Ein Stifter

Ich bin ein alter Netzwerker, bekennt Conrad Bölicke. Heißt das, dass bei ihm alle Fäden zusammenlaufen? Irgendwie schon, aber die Wirklichkeit ist, wie so oft, etwas komplizierter. Conrat Bölicke - Der StifterIn der Vorstellung Conrad Bölickes sind Netzwerke zum gegenseitigen Vorteil. Eingebunden sind Produzenten und Verbraucher, aber auch, wie er schreibt, „Künstler, Helfer, Neugierige und Freunde“. Was das bedeuten kann, veranschaulicht die von ihm ins Leben gerufene „arteFakt Stiftergesellschaft“, die allen Interessierten eine Beteiligung an einem Unternehmen ermöglicht, das sich ethischen Prinzipien der Erzeugung und Vermarktung von Lebensmitteln verpflichtet.

Stiften bedeutet im Konzept Conrad Bölickes Geben und Nehmen. So fließen Erlöse aus arteFakt in Kunstprojekte, in eine besonders profilierte Schule und in eine ostdeutsche Hochschule. Keine Riesensummen zwar, aber jeweils eine wirksame Förderung. „Kunst am Bau“ nennt Conrad Bölicke das.

 
Dieter Gaissmayer
Druckseite