| Eigentlich
ist es verwunderlich, dass Minze, dieses wandlungsfähige, köstliche
Kraut, das unsere Vorfahren so liebten, bei uns heute fast ausschließlich
für Kräutertee, Kaugummi und Zahnpasta verwendet wird. Dabei
gibt es gerade bei Minze eine schier unglaubliche Geschmacksvielfalt zu
entdecken. Trotzdem bleibt für viele die Bekanntschaft mit Minze
auf die gelegentliche Tasse Pfefferminztee beschränkt. Vielleicht
ist diese Minzen-Zurückhaltung darin begründet, dass das Minze-Angebot
auf unseren Märkten stark vernachlässigt wird oder auf Pfefferminze
reduziert ist. Küchengeeignete geschnittene Minze findet man am ehesten
noch in türkischen oder arabischen Gemüseläden.
Andere
Kochkulturen schwören auf Minze, und was dabei herauskommt, kann
sich sehen und essen lassen. In Griechenlands Küchen beispielsweise
ist Minze weit verbreitet (leider pflegen die Griechen eine merkwürdige
Vorliebe für lauwarme Speisen). Wo es noch heißer ist, im arabischen
Raum nämlich, ist Minze außerordentlich populär. Das mag
nicht nur an ihrem Geschmack liegen, sondern generell an ihrer erfrischenden
Wirkung.
Gewiss, es gibt Küchen, denen nicht völlig zu Unrecht der Ruf
vorauseilt, sich allenfalls durch eine gewisse Originalität auszuzeichnen,
die britische zum Beispiel. Dass ausgerechnet hier Minze populär
ist, dürfte dem guten Ruf der Minze allgemein nicht zuträglich
gewesen sein. Immerhin soll sich das traditionelle englische Minze-Lamm
vorteilhaft von vielen gewöhnungsbedürftigen Küchenkreationen
der Insel abheben. Wenn nicht, so müsste am Ende „After eight“
den Ruf der britischen Minze-Küche retten. Ganz neu ist diese Idee,
Minze mit Schokolade zu kombinieren, allerdings nicht, schon gar nicht
ein Resultat schrulliger britischer Kochkunst. In Wirklichkeit ist die
Verbindung von Minze und Schokolade altbewährt.
Möchten
Sie Minze, dieses vielfältige Küchenkraut, für sich entdecken?
Dann zuerst ein Rat: Verbannen Sie während Ihrer Minze-Küchen-Experimente
Zahnpasta mit Pfefferminzgeschmack und Menthol aus Ihrem Haushalt. Badezimmer-Assoziationen
sind beim kreativen Kochen eher hinderlich. Und: Schaffen Sie sich gleich
mehrere Minze-Arten
und Sorten an. Es gibt kaum ein Küchenkraut, das mit so vielen
und mit so unterschiedlichen Geschmacksrichtungen aufwartet wie Minze.
Wer also will, dem eröffnet sich ein ungewöhnlich weites Erfahrungsfeld.
Wie wäre es mit einer Minze-Verkostung? Das geht am einfachsten,
wenn Sie Tee aus frischer Minze kochen. Oder wenn Sie Ihr liebstes Minze-Gericht
nacheinander mit verschiedenen Minze-Sorten zubereiten. Für mich
ist Tabbouleh, das libanesische
Gericht aus Bulgur, frischem Gemüse, Petersilie und Minze so ein
„Minze-Geschmackstest-Gericht“. Rein und klar spiegelt es
den Geschmack der verwendeten Minze wider; so ermöglicht es Vergleiche.
Für die Verwendung in der Küche bieten sich vor allem die Sorten
und Arten der Minze an, die kein oder sehr wenig Menthol enthalten, und
da gibt es eine große Auswahl. Ich mag vor allem die Dionysos-Minze
(Mentha species 'Dionysos') mit dem reinen Minze-Geschmack. Vor
allem in Kombination mit Joghurt ist sie mein Favorit.
Minze-Anfänger sind gut beraten, wenn sie zunächst nicht die
kompletten Gerichte, sondern würzende Zutaten mit Minze zubereiten.
So kann man sich der Lieblingsminze und der zuträglichen Menge geruhsam
nähern. Für diesen Zweck empfiehlt sich eine Joghurtsauce
mit Minze und Knoblauch. Die kann individuell dosiert werden und passt
zu vielen Gerichten.
Minze
harmoniert mit Knoblauch
und wird gut ergänzt durch Petersilie. Der frische Minze-Geschmack
harmoniert wunderbar mit Zitrusfrüchten: Zitronen, Orangen, Limonen,
doch auch Grapefruits und die herben Kumquats empfehlen sich für
die Kombination mit Minze besonders. Aus Zitrusfrüchten und Minze
lassen sich immer wieder andere Salate zubereiten. Salate mit Minze sollten
meiner Meinung nach immer mit Zitronen- oder Limonensaft und nicht mit
Essig gesäuert werden.
Minze
passt sehr gut zu Beeren, das frische dekorative Minzeblatt auf (oder
"an") vielen Desserts ist ja inzwischen beinahe sprichwörtlich.
Doch auch das Frühstücks-Beeren-Müsli erfährt durch
Minze eine überraschende Aufwertung. Wunderbar ist Minze in Kombination
mit Melonen und Feigen. Eine geeiste Melonensuppe mit Minze ist ein feines,
leichtes Sommergericht. Dass Minze für viele getränke und Cocktails
unverzichtbar ist, versteht sich von selbst. Hier soll Mojito
als Beispiel dienen.
Traditionell ist die Kombination von Minze mit Hülsenfrüchten.
Erbsensuppe oder Erbspüree mit Minze sind Beispiele dafür. Auch
junge grüne Erbsen, mit zerteiltem Kopfsalat gedünstet, lassen
sich mit Minze verfeinern. Kombinationen mit Bohnen, Linsen oder Kichererbsen
sind ebenfalls sehr empfehlenswert. Wer's mag, kann auch Möhrengemüse
mit Minze würzen oder - wie in England - einen Minze-Zweig in das
Kartoffelkochwasser geben.
Und Fleisch? Besonders Lamm und Huhn werden mit Minze kombiniert. Auch
Hackfleischgerichte lassen sich mit Geschmacksgewinn minzen. Keineswegs
soll die Kombination von Minze und Eierspeisen vergessen werden. Vielleicht
fangen Sie mit Rührei an und nähern sich später dem Omelett
mit jungen Erbsen und Minze.
Minze ist
für mich ein Sommerkraut, zum Kochen verwende ich sie nur frisch.
Alle Minzen lassen sich jedoch als Wintervorrat sowohl trocknen als auch
einfrieren. Der richtige Erntezeitpunkt ist erreicht, wenn erste Blütenansätze
sichtbar werden. Am besten ernten Sie morgens, wenn die Blätter abgetrocknet
sind. Bis zu drei Schnitte pro Jahr sind möglich. Luftig im Schatten
trocknen.
Wer auch im Winter nicht auch frische Minze verzichten möchte, sollte
einige der kräftigen Wurzeln in Töpfe pflanzen. Mäßig
warm aufgestellt, treibt die Minze auch im Winter einige Triebe. Minze-Geschmack
für den Winter lässt sich auch in Minze-Sirup oder Likör
konservieren. Und wer nichts gegen die Kombination von Minze mit Essig
einzuwenden hat, bereitet sich vielleicht seinen ganz persönlichen
Minze-Essig zu.
"Minze, dieses wandlungsfähige, köstliche Kraut"
- habe ich zuviel versprochen? Starten Sie einfach ein paar kleine kulinarische
Versuchsreihen und lassen Sie sich überraschen! Hier folgen einige
Anregungen: Lesen Sie weiter...
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