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In seinen zauberhaften Erinnerungen „Marcel – Eine Kindheit
in der Provence“ beschreibt Marcel Pagnol seine erste Begegnung
mit Thymian:
„Dort sah ich zum ersten Mal dunkelgrüne Büschel,
die wie Zwergoliven aus dem Baoukogras auftauchten. Ich verließ
die Straße und lief zu ihnen, um ihre feinen Blätter zu berühren.
Ein unbekannter Geruch, herb und stark hüllte mich wie eine Wolke
ein, stieg mir zu Kopf und drang bis in mein Herz. Es war Thymian, der
auf dem Kies der Hochebene spross.“
Viele
Besucher der Mittelmeerländer dürften ähnliche Erfahrungen
gemacht haben: Flirrende Hitze und Bienensummen, trunkene Schmetterlinge.
Und dann dieser unvergleichliche Duft! Die Luft ist voll davon, und man
möchte meinen, so rieche der Mittelmeersommer.
Wer seinen Mittelmeerträumen nachhelfen möchte, muss nicht
unbedingt lange Reisen antreten, denn der Duft von frei wachsendem Thymian
lässt sich auch hierzulande erleben, und zwar auf kalkreichen Flächen
wie der Schwäbischen Alb. Hier wächst auf knallsonnigen, heißen
und ganz mageren Wildstandorten dicht an die Erde geschmiegt der mattenbildende
Sand-Thymian oder Feld-Thymian (Thymus serphyllum). Diese heimische
Form des Thymians hat eine lange Tradition als Würzkraut. Daneben
kannte man nördlich der Alpen den sehr ähnlich aussehenden Thymus
pulegioides – als Wurstkraut oder echter Quendel schon seit
alters her würzender Bestandteil der eher deftigen nordischen Speisen.
Viele Formen und Duftvariationen
Der
mediterrane „echte“ Thymian (Thymus vulgaris –
Gewürz-Thymian, Garten-Thymian, Römischer Quendel) ist ein 10
bis 40 cm hoher verholzender Halbstrauch aus der Familie der Lippenblütler
mit buschig-aufrechtem, verzweigtem Wuchs.
Vom aufrechten Thymus vulgaris gibt es zahlreiche Zierformen.
Dazu gehören nicht nur Formen mit besonderer Blattzeichnung wie der
Silberrand-Thymian ’Argenteus’ oder ’Silver Posie’
mit weißbunten Blättern oder gedrungene Wuchsformen wie ’Compactus’,
die besonders geeignet für Kübel, Töpfe und Balkonkästen
sind, sondern auch solche mit besonderen Aromen wie der aparte Orangen-Thymian
(Thymus vulgaris ssp. fragrantissimus), der mit seinen graugrünen,
nadelartigen Blättern an sonnigen Tagen Orangenaroma verströmt.
Der
beliebte Zitronen-Thymian, Thymus x citriodorus in all seinen
Variationen, ist ein Naturbastard von Thymus vulgaris, dem aufrecht
wachsenden „echten“ Thymian und dem kriechenden Thymus
pulegioides, dem heimischen Quendel. So erstaunt es nicht, dass sich
seine Wuchsform irgendwo zwischen aufrecht-buschig und kriechend bewegt.
Von polsterartig oder kissenförmig ist hier oft die Rede. Zitronen-Thymian
weist eine große Variationsbreite auf: Man findet grüne Blätter
mit goldenen Rändern genauso wie gelbgrüne Blätter. Alle
jedoch zeichnet der frische, zitronige Duft aus, der sich erst später
in den vertrauten Geschmack des würzigen Krautes wandelt.
Ja,
der Geschmack: Zwischen Zitronen-Thymian, Kampfer-Thymian, Lavendel-Thymian,
Kümmel-Thymian, Orangen-Thymian, Mastix-Thymian, Oregano-Thymian,
pfeffrigem Berg-Thymian, Kokos-Thymian und Pinien-Thymian dürfen
wir wählen. Bei dieser Fülle ist es schon fast beruhigend, dass
man Thymian nicht unbedingt essen muss: Wer Thymian auf dem Teller gar
nicht mag, kann sich einen Duftrasen mit Thymus herba-barona
anlegen, Thymus vulgaris ’Compactus’ in einen Blumentopf
pflanzen, sich an Ampeln mit Thymus longicaulis ssp. odoratus
erfreuen oder – wie Großbritanniens Thronfolger auf Lebenszeit
– botanische Studien mit all den vielen Thymian-Sorten und Thymian-Arten
betreiben. Lesen
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