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Es
gibt, wir haben es erfahren, von Thymian unendlich viele Arten und noch
mehr Sorten. Viele davon haben Küchenwert – ein weites Feld
also für Sammler und Gourmets. Ich selbst habe meine Experimente
mit Thymian-Varianten längst noch nicht abgeschlossen; bisher mag
ich am liebsten Zitronen-Thymian, der nicht nur aromatisch pikant ist,
sondern auch deutlich frisch nach Zitrone schmeckt.
Es gibt also noch vielfältige Entdeckungs- und Erfahrungsmöglichkeiten.
Vorerst jedoch tun wir so, als ob es mit Arten und Sorten keinerlei Bewenden
hätte; wir reden einfach über Thymian. Der wird besonders häufig
in Südfrankreich verwendet, oft gemeinsam mit Wein, Knoblauch,
Lorbeerblättern und Petersilie. Suppen und Schmorgerichte, aber auch
Pasteten und Terrinen sind klassische Verwendungsmöglichkeiten. Gerichte
mit Wild, Kaninchen und Geflügel harmonieren vorzüglich mit
dem kräftigen Aroma von Thymian.
Auch
ohne Fleisch lässt sich der südfranzösische Geschmack nach
Hause holen. Zu Sommergemüse wie Zucchini, Auberginen, Tomaten, Paprika
und Zwiebeln passt Thymian wunderbar. Ratatouille
ist nur ein Beispiel für eine Vielzahl von Variationsmöglichkeiten.
Mit Gemüse nach Wunsch, einem guten Olivenöl und etwas Pecorino
oder Parmesan lassen sich immer wieder neue Pastasaucen erfinden.
Auch
ganz „normale“ Kartoffelgerichte können durch Thymian
eine neue Geschmacksdimension erhalten. Versuchen Sie Kartoffelpuffer
mit Thymian. (Wussten Sie, dass Kartoffelpuffer krachend knusprig werden,
wenn man Haferflocken zu den geriebenen Knollen gibt?) Und denken Sie
im Herbst unbedingt daran, ein sahniges Kartoffelgratin
mit säuerlichen Äpfeln zuzubereiten, gewürzt mit rotem
Chili und Thymian. Sie dürfen es auch Himmel und Erde nennen.
Unverzichtbar ist Thymian für das Bouquet garni. Das ist ein Kräuterstrauß,
ohne den in Frankreichs Küchen gar nichts läuft. Mit Bouquet
garni ist meistens ein zusammengebundenes Sträußchen
aus einem Zweig Thymian, einigen Petersilienstängeln und einem Lorbeerblatt
gemeint. Manchmal kommt auch noch Porreegrün, Bleichsellerie oder
Orangenschale dazu. Es ist die französische Form des Suppengrüns
und sollte am besten frisch verwendet werden. In Frankreich sind allerdings
auch getrocknete Bouquet garnis im Handel. Wer Spaß an Basteleien
hat, kann solche Kräuterbündel eigentätig herstellen und
frisch oder getrocknet verschenken.
Sommeraroma für den Winter
Thymian lässt sich gut trocknen. Dazu erntet man das Kraut am besten
am Mittag eines heißen, sonnigen Tages. Dann ist der Gehalt an ätherischen
Ölen besonders hoch. Getrocknet werden die zusammengebundenen Sträußchen
kopfüber aufgehängt an einem luftigen Platz im Schatten. Um
die ätherischen Öle zu schonen, bewahrt man
am besten die ganzen Zweige auf und rebelt die Blättchen bei Bedarf
erst unmittelbar vor der Verwendung von den Stängeln.
Getrockneter Thymian ist nicht nur ein wesentlicher Bestandteil der Kräuter
der Provence, sondern ein durchaus sinnvoller Wintervorrat. Zum einen
gibt es Gerichte, die zwingend Thymian verlangen, aber eigentlich nur
im Winter richtig gut schmecken. Das mit Speck und Knoblauch in Rotwein
geschmorte Rindfleisch, von dem weiter unten noch die Rede sein wird,
ist ein klassisches Beispiel dafür.
Zum anderen erreicht Thymian, der im Winter unter dem Schnee hervorgeklaubt
wird, niemals den intensiven Sommergeschmack. Das liegt daran, dass die
Zusammensetzung des ätherischen Öles wetter- und klimaabhängig
ist. Sonnenverwöhnter Thymian ist viel aromatischer und kraftvoller
als sein winterliches Pendant. Hier lohnt sich das Trocknen. Natürlich
sind auch die Thymian-Blüten nicht nur schön, sondern essbar
und gesund. Wie wäre es also mit einem stilvollen Blütensalat
am Thymian-Erntetag?
Getrockneter Thymian ist sehr geschmacksintensiv, also mit Bedacht verwenden
und am besten eine ganze Weile mitkochen. Wer ganz viel Trocken-Thymian
hat, bastelt vielleicht ein Kräuterkissen daraus. Das verscheucht
den Husten und, wer weiß, vielleicht macht es sogar ein ganz kleines
bisschen tapfer. Auch zum Räuchern eignet sich getrockneter Thymian
gut. Lesen
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