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Gute
Messer, die zu den wichtigsten Geräten in der Küche gehören,
verdienen eigentlich eine ausführliche Würdigung, ja, sie können
sogar zu philosophischen Überlegungen führen, wenn man an die
hohe Kunst der japanischen Messer-Manufaktur denkt. Ich belasse es jedoch
bei einigen praktischen Hinweisen:
Als Grundausstattung sollten in jeder Küche mindestens vier verschiedene
Messer vorhanden sein:
- Ein kleines Messer (z.B. zum Schälen von Kartoffeln oder Obst),
- ein mittelgroßes Küchenmesser als eine Art Allzweckmesser,
- ein großes Küchenmesser (z.B. zum Schneiden von Schinken,
Fleisch oder Kohlköpfen) und
- ein Brotmesser mit gezackter Schneide.
Wer
häufig etwas größere Fleisch- oder Geflügelgerichte
bereiten möchte, sollte sich ein Filetiermesser mit flexibler Klinge
zulegen. Die Anschaffung eines praktischen chinesischen Gemüsemessers
ist in jedem Fall eine Überlegung wert; hat man sich einmal daran
gewöhnt, ist es ausgesprochen vielseitig verwendbar.
Scharfe Sache: Kohlenstoffstahl
Minderwertige Messer sind aus gestanztem Stahlblech; ihr Nutzwert ist
ebenso gering wie ihre Lebensdauer. Gute Messer hingegen werden aus geschmiedetem
und gehärtetem Stahl gefertigt. Sie sind aufwändig in der Herstellung
und demzufolge teuer, aber im Alltagsbetrieb und auf lange Sicht sind
sie die sinnvollere Anschaffung.
Rostfreier Edelstahl ist bei den vielen Küchengeräten schön
und praktisch. Für Messer gilt das nicht unbedingt, denn Klingen
aus rostanfälligem Kohlenstoffstahl sind schärfer als Edelstahlklingen.
Wem Schärfe wichtig ist, der muss mit seinen wertvollen Messern pfleglich
umgehen. Also sofort nach Gebrauch von Hand reinigen und abtrocknen –
so kann man an Kohlenstoffstahl-Klingen ein Leben lang Freude haben.
Den
Adelsstand unter den Küchenmessern behaupten die Klingen aus Damaszener-Stahl.
Die sind aus mehreren Schichten harter Kohlenstoffstähle und Eisen
gefertigt, die miteinander verbunden werden und nach dem Anschliff das
charakteristische gekräuselte Schillern der Oberfläche bewirken.
Solche Messer sind extrem scharf, bedürfen sorgfältiger Pflege
– und können ein kleines Vermögen kosten. Früher
waren sie ein Privileg japanischer Schmiedekunst, inzwischen beherrschen
aber auch europäische Messerschmieden die Technologie.
Was Produkte aus der Weltraumtechnologie betrifft, so reicht mir die
Teflonpfanne; ein Messer aus Keramik hingegen, teuer und nicht immer bruchfest,
erscheint mir für den Normalhaushalt entbehrlich.
Pflegeversicherung
Manche Hersteller, insbesondere aus der traditionsreichen Solinger Messer-Manufaktur,
übernehmen für ihre edlen Produkte sogar eine Art Pflegeversicherung.
Das heißt: Wenn ein Messer aus der betreffenden Schmiede nach Jahren
des Gebrauchs nicht mehr mit eigenen Mitteln zu schärfen ist, übernehmen
die Solinger Profis den neuen Schliff. Tipp: Fragen Sie beim Kauf eines
teuren Messers nach diesem Service!
Die meisten „richtigen” Messer lassen sich mit einem Wetzstahl
oder einem feinkörnigen Schleifstein schärfen. Viele Messer,
vor allem die wunderbaren Kunstwerke aus Fernost, benötigen allerdings
eine besondere Schleiftechnik (nasser, feinkörniger Schleifstein,
richtiger Schleifwinkel), etwas Pflege und dürfen nicht in die Spülmaschine.
Entsprechende Hinweise sind diesen Messern beigefügt. Spitzenköche
ziehen ihre Messer vor jedem Gebrauch ab.
Weil
ich oft gefragt werde, wann ein Messer hinreichend scharf sei, beschreibe
ich an dieser Stelle gern meinen kleinen Schärfetest für den
Alltag: Die Schneide des frisch geschliffenen Messers wird über eine
frische Tomate gezogen, vorsichtig und ganz ohne Druck, nur mit dem Eigengewicht
des Messers. Wenn es die Tomatenhaut einritzt, ist das Messer scharf genug.
Wer demgegenüber die hohe Schule der japanischen Kunst des Schärfens
zum Maßstab nimmt, dürfte an seinem eigenen Anspruch scheitern:
ein auf einer Wasseroberfläche schwimmendes Haar mit einem beherzten
Schnitt teilen.
Die feinen Kleinen
Billigprodukte (vor allem in Sortimentsform) halte ich für verzichtbar.
Lieber nach und nach den Bestand an guten Messern vergrößern.
Dabei sagt der Bekanntheitsgrad einer Messermarke nicht unbedingt etwas
über die Qualität aus. Wer einmal Gelegenheit hat, in den Ausstellungsräumen
Solinger Messerschmieden Produkte zu prüfen und zu vergleichen, wird
dafür schnell die Bestätigung finden. Lassen Sie sich nicht
von den „großen Namen“ blenden, denn edle Messer entstammen
oft kleinen, eher unauffälligen Traditionsunternehmen.
Nebenbei bemerkt: Gute Messer sollen sich zwar vor allem durch hohen
Gebrauchswert auszeichnen, sind aber auch eine Augenweide in jeder Küche
– vor allem dann, wenn sie schonend und funktional an Magnethaltern
befestigt sind. |