Seit
einigen Jahren haben Schafe in Deutschlands Küchen Einzug gehalten.
Genauer gesagt: Lammfleisch wird immer beliebter. Vor allem der Urlaub
in Mittelmeerländern hat viele auf den Lamm-Geschmack gebracht. Und
weil zahlreiche Türken und Nordafrikaner in Deutschland leben, ist
mit der gestiegenen Nachfrage nach Lammfleisch auch zunehmend das entsprechende
Angebot vorhanden.
Das ist erfreulich, denn Lammgerichte zählen zu den schmackhaftesten
Fleischgerichten – vorausgesetzt, es handelt sich bei dem, was unter
„Lamm“ angeboten wird, tatsächlich um das Fleisch junger
Tiere aus artgerechter Haltung. Faustregel: Das Tier sollte möglichst
zwischen dem dritten und sechsten Lebensmonat den Gang zum Metzger angetreten
haben. Doch selbst wenn das junge Schaf erst unmittelbar vor seinem ersten
Geburtstag dahinscheidet, darf es noch als Lamm bezeichnet werden.
Leider muss man oft ein bisschen suchen, bis sich der vertrauenswürdige
Lieferant für gutes Lammfleisch gefunden hat. Bei mir ist das ein
türkischer Metzger aus der Region. Die Vorgeschichte eines wunderbaren
Essens: Zufällig zerlegte er vor unseren Augen ein frisches Lamm
und fragte, von welcher Seite der Kotelettstrang angeschnitten werden
solle. Wir wählten die Filetseite und baten um dicke Koteletts. Sollten
sich dabei zwei Rippen an einem Stück befinden, kann man einen Knochen
vor dem Braten entfernen. So erhält man ein perfektes „Stielkotelett“.
Meist
haben Lammkoteletts noch die Fettschicht, die den Rücken bedeckt.
Ob die vor oder erst nach dem Braten entfernt wird, ist Ansichtssache.
Saftiger bleibt das Fleisch mit dem Fett. Das sollte dann natürlich
vor dem Essen entfernt werden.
Die Lammkoteletts habe ich etwa eine Stunde in einer Marinade aus Zitronensaft,
Olivenöl und Minze ruhen lassen. Rosmarin eignet sich übrigens
auch sehr gut. Danach geht alles ganz schnell und einfach: Die marinierten
Koteletts in wenig Olivenöl von beiden Seiten braten – fertig.
Na ja, einige Dinge gibt es beim Braten schon zu beachten:
Ein dickes Kotelett braucht insgesamt etwa drei Minuten Bratzeit auf
jeder Seite. Bis sich die Bratroutine eingestellt hat, ist es durchaus
hilfreich, einen Kurzzeitwecker zur Hilfe zu nehmen (auf sechs Minuten
einstellen). Die Hitze sollte so gewählt werden, dass das Fleisch
weder verbrennt noch dünstet. Das verlangt ein bisschen Aufmerksamkeit
und Kenntnis des eigenen Herdes. Es hat sich bewährt, das Fleisch
zuerst auf jeder Seite bei etwas größerer Hitze anzubraten
und danach die Hitze deutlich zu reduzieren. Die letzte Bratphase ist
praktisch nur noch ein Nachgaren bei geringer Temperatur.
Das Fleisch beim Wenden oder Herausnehmen bitte nicht mit einer Gabel
anstechen, weil dann der schöne Fleischsaft herausläuft. Ein
Pfannenwender eignet sich hier weit besser. Gebratenes Fleisch gewinnt
sehr an Qualität, wenn man es nur knapp rosa brät, aus der Pfanne
nimmt, auf einen vorgewärmten Teller legt, alles schön mit Alufolie
abdeckt und das Fleisch dann ein paar Minuten in Ruhe lässt. Diese
Ruhezeit macht das Fleisch zarter und saftiger. Stellt man den Teller
mit den gebratenen Koteletts in einen leicht
vorgewärmten Ofen (nicht zu heiß, 50-70 Grad genügen),
bleibt es schön warm und der Saft verteilt sich. Die Lammkoteletts
sollten außen braun und innen noch rosa und sehr saftig sein. Erst
bei Tisch salzen.
Stilecht passt zu Lammkotelett ein frisch zubereiteter
Minze-Joghurt
Dazu sollte ein stichfester, fettreicher Joghurt verwendet werden. Den
gibt es in griechischen und türkischen Lebensmittelläden. Einfach
einige Teelöffel des Joghurts in ein hohes Gefäß geben,
ein wenig Minze (das könnte beispielsweise Dionysos-Minze sein),
Knoblauch nach Geschmack, Salz und Pfeffer und nach Wunsch ein bisschen
Zitronensaft dazu. Mit dem Mixstab kurz durcharbeiten.
Tipp: Durch das Mixen wird der vorher feste Joghurt dünnflüssig.
Deshalb die Zutaten mit nur wenig Joghurt mixen und später mehr festen
Joghurt mit dem Löffel unterrühren, bis die gewünschte
Konsistenz erreicht ist. Nach Wunsch sorgen einige Tropfen Olivenöl
für zusätzliches Aroma.
In der Mittelmeerküche finden sich zahlreiche Anregungen für
passende Beilagen. Gebratene Zucchinischeiben (siehe Foto) oder Mittelmeerkartoffeln
sind nur zwei von zahlreichen Möglichkeiten. Statt Minze-Joghurt
passt auch Tzatziki
sehr gut.
Die uralte Tradition der Lammzubereitung im Mittelmeerraum hat zahlreiche
Variationen hervorgebracht. Probieren Sie zur Abwechslung doch einmal
diese:
Lammkoteletts provençalisch
Die Koteletts mit Zitronensaft einreiben und pfeffern, dann in Olivenöl
von beiden Seiten kurz anbraten und erst später salzen. Knoblauchscheibchen,
Rosmarin,
einige dünne Scheiben einer unbehandelten Zitrone dazu und noch etwa
8 bis 10 Minuten bei sehr geringer Hitze gar ziehen lassen. Wer mag, gibt
auch ein paar zerschnittene getrocknete oder frische Tomaten und schwarze
Oliven in die Pfanne, das verstärkt die provençalische Note.
Zitronenthymian kann Rosmarin ergänzen oder sogar ersetzen. Am besten
ausprobieren.
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