Minze: Rein pflanzlich

 

Das ist sie: Die Pfefferminze 'Persephone'Die Legende berichtet, dass Persephone ihren Gemahl Pluto, den Herrscher des Hades, bei einem Techtelmechtel mit der Nymphe Menthe ertappte. Zur Strafe verwandelte die eifersüchtige Ehefrau Menthe in eine Pflanze und trat sie mit Füßen. In unseren heutigen Duftpfaden könnte diese Legende fortleben.

Der heilkundige Abt von Reichenau, Walahfrid Strabo, erwähnte im 9. Jahrhundert in seinem berühmten Gartengedicht Hortulus, dass „wer alle Kräfte, Arten und Namen der Minzen vollständig aufzählen kann, ebenso gut auch sagen könnte, wie viele Fische im Roten Meer schwimmen oder wie viel Funken der Ätna auswirft".

Der Versuch, die heutige Vielfalt der Minzen zu ordnen, hat zwangsläufig immer etwas Willkürliches. Minze-Sorten lassen sich nach unterschiedlichen Kriterien - etwa nach Duftnote, Herkunft oder Inhaltsstoffen - gruppieren.Orangen-Minze

Da gibt es zum einen die bei uns gut bekannte Gruppe der Pfefferminze (Mentha x piperita var. piperita) mit einem pfeffrig-scharfen Aroma. Ihre ätherischen Öle kühlen und beleben. Der Gehalt an Menthol, der für diese Gruppe charakteristisch ist, zeichnet für diesen Sinneseindruck verantwortlich. Pfefferminze wird traditionell als Tee verwendet und hat eine große Bedeutung als Heilkraut.

Die Fruchtminzen (Mentha x piperita var. citrata) enthalten weniger Menthol, dafür überraschen sie mit fruchtigen Aromen: Orangen-, Zitronen- oder Bergamotte-Minze.

Hohe, sehr dekorative Blütenähren über glatten, bisweilen auch krausen, spitz zulaufenden Mentha spicata: Englische Grüne MinzeBlättern kennzeichnen die „grünen“ Ähren-Minzen, die Mentha spicata-Gruppe. Ihr ganz spezielles, süßlich-frisches Aroma verdankt diese Mentha-Gruppe ihrem komplexen ätherischen Öl. Es enthält kein oder nur wenig Menthol. In dieser Gruppe finden sich die Züchtungen der komplexen Geschmacksrichtung 'Spearmint'. Ihr ätherisches Öl wird in großem Stil bei der Herstellung von Kaugummi und Zahnpflegemitteln verwendet.

Durch das Fehlen von Menthol sind Spicata-Minzen in der Küche oft bekömmlicher und finden traditionell in der englischen Küche ihre Wertschätzung. Unter den Spicatas gibt es auch krausblättrige Formen (Mentha spicata var. crispa). Bekannte Krause-Minzen finden sich unter den orientalischen Teeminzen, zum Beispiel Marokkanische Minze, Persische Minze oder Nane-Minze. Sie werden besonders im nördlichen Afrika entweder pur als Tee getrunken oder dem Schwarztee zugesetzt.Basilikum-Minze: Mentha spec. 'Basilmint'

In der Mentha species-Gruppe findet sich die ganze bunte Vielfalt der Minzen wieder. Viele sind botanisch nicht eindeutig zuzuordnen. Deshalb behilft man sich mit regionalen Herkunftsbezeichnungen (Argentische Minze, Chinesische Minze, Thai-Minze, Belgische Minze, Russische Pfefferminze, Vietnamesische Minze) oder versucht in der Namensgebung Duft und Aroma zu beschreiben. So finden sich Süße Limonen-Minze, Basilikum-Minze, Lavendel-Minze, Wein-Minze oder Feigen-Minze.

Ingwerminze: Mentha x gentilis 'Variegata'Dass aber der Name nicht unbedingt auf den Geschmack schließen lässt, zeigt sich bei der birkenblättrigen Ingwerminze (Mentha x gentilis 'Variegata'). Der Name bezieht sich auf die ingwerfarbene Zeichnung der dekorativen Blätter; ihr Geschmack erinnert eher an Eau de Cologne.Schrieb Weltgeschichte: 'Penny Royal'

Keineswegs darf eine kleine Minze vergessen werden, die einen Beitrag zum Aufstieg des britischen Imperiums geleistet hat: Die kriechende, Matten bildende Poleiminze (Mentha pulegium 'Repens', beliebter Bestandteil des englischen Duftrasens. Als 'Penny Royal' ging sie in die Geschichte der Royal Navy ein. Die englischen Seeleute hielten ihr Trinkwasser mit 'Penny Royal' frisch und konnten so länger auf See bleiben als die Konkurrenz.

Apfelminze: Mentha suaveolensSchließlich noch der Hinweis auf die Gruppe der Feld-Minzen (Mentha arvensis). Eine ihrer bekanntesten Vertreterinnen ist die stark mentholhaltige Japanische Minze, wichtiger Inhaltsstoff des Japanischen Minzöls wie auch des wohltuenden "Tiger-Balsams". Natürlich gibt es auch noch die sanftblättrige Apfelminze (Mentha suaveolens) mit dem fruchtigen Duft, die Korsische Minze (Mentha requenii) mit den winzigen Blättchen, die sich für duftende Polster eignet, oder die sehr attraktive Silberminze (Mentha longifolia 'Buddeleia'), doch genug ist genug.

Bei der Vielfalt der Minzen kann die kleine Zusammenstellung natürlich nicht vollständig sein. Wer sich genauer über Minze informieren will, sei auf die umfangreichen Minze -Beschreibungen der Staudengärtnerei Gaissmayer, der ich für Minze-Fotos zu danken habe, verwiesen. Andere mögen sich mit Abt Walahfrid Strabo trösten: „Wer alle Kräfte, Arten und Namen..." - Das kennen wir ja schon. Lesen Sie weiter...

   
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